Arbeitswelt what's wrong with you? Es wird doch nicht das Alter sein??
Meine Lieben, ich war die letzten Wochen etwas Missing in Action. Ab und zu kommt das Leben halt einfach dazwischen und durchkreuzt die schönsten To Do Listen und Goals Pläne. Wie die meisten Menschen meiner Community wissen, bin ich aktuell aus Gründen dabei, mich beruflich neu aufzustellen - und wie mir geht es einigen anderen Menschen auch, wie mir LinkedIn in dem ein oder anderen Post verrät.
Kleiner Hinweis vorweg: Das hier ist kein Rosa Wölkchen und wir haben uns alle lieb Text. Ich bin sauer.
Über meine Erfahrungen und Meinungen was die heutige Arbeits- und Texterwelt betrifft, habe ich mir ja schon öfter auf diesem Blog Luft gemacht. Einen Faktor hatte ich aber bis jetzt gar nicht auf dem Schirm: das Alter. Nun bin ich ja eine Frau, die zwar gefühlte ewige 39 ist, der Ausweis sagt aber ganz was anderes. Nicht, dass ich mit meinem Alter ein Problem hätte, Level 50 wird gerockt. Ich finde älter werden zu können ein großes Privileg und bin für jeden Tag dankbar, den ich auf dieser Welt sein darf. So weit so gut.
Aber in der Arbeitswelt sieht die Sache mit dem Alter anscheinend immer noch etwas anders aus und ich Dummerchen dachte, dass sich da in den letzten 14 Jahren tatsächlich etwas geändert hätte, Stichwort Fachkräftemangel und so. Nun scheint es aber immer noch so zu sein, dass du bei vielen Unternehmen ab einem gewissen Alter und dann auch noch als Frau einfach raus bist.
Wovor diese Unternehmen Angst haben? Keine Ahnung, ich kann es euch wirklich und ehrlich nicht beantworten. Ich sehe mich durchaus in der Lage, mich in eine neue Aufgabe einzuarbeiten und neue Dinge zu lernen. Dazu bringe ich noch jede Menge Berufserfahrung mit. Und das gilt nicht nur für mich, sondern vermutlich für viele Frauen in meinem Alter beziehung plus/minus 10 Jahre.
Dazu kommt, dass wir aus der GenX durchaus noch ein paar Jahre arbeiten müssen (und wenn es nach unserer aktuellen Regierung geht, könnten das noch ein paar Jahre mehr werden). Wehe aber, du wirst arbeitslos oder bist aus anderen Gründen gezwungen dir einen Job zu suchen, gerne auch in "Lifestyle-Teilzeit". Das kann ein schwieriges Unterfangen werden, wie ich aktuell aus eigener Erfahrung berichten kann. Ich hätte übrigens nie und nimmer gedacht, dass mich das mal selbst betreffen könnte. Und mir soll jetzt bloß nicht einer mit "da musst du halt flexibler werden und deine Vorstellungen runter schrauben". Nein, dass muss ich nicht. Und ich muss auch nicht finanziell schlechter stellen.
Aber jetzt mal zu euch, liebe Arbeitgeber. Was macht euch denn so viel Angst vor Arbeitnehmern Ü 50 oder von mir aus Ü 45 (da fängt es ja meistens schon an)? Ich muss aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass ich immer lieber jemand eingestellt habe, der schon ein paar "Arbeitsjährchen" auf dem Buckel hatte. Zu 99 % konnte ich mir bei diesen Arbeitnehmern nämlich sicher sein, dass die morgens um 6:00 Uhr am Werkstor stehen. Diese Mitarbeiter waren extrem zuverlässig, sehr loyal und fast alle sind später in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen worden. Ich muss dazu sagen, dass ich sehr lange in der Zeitarbeit gearbeitet habe - ich saß also durchaus schon auf der anderen Seite des Tisches.
Also was ist los liebe Arbeitgeber? Sind wir von der GenX euch nicht mehr jung und hip genug? Habt ihr Angst, dass wir nicht mehr mitkommen? Kleiner Hinweis: Wir sind die letzte Generation, die sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt aufgewachsen ist – und wir sind mit diesem Wandel wunderbar klargekommen. Wir haben uns vom Faxgerät über die ersten klobigen Computer und das Internet bis hin zu Social Media, Remote Work und KI durch so ziemlich jede technische Veränderung gearbeitet, die man uns vor die Füße geworfen hat. Und irgendwie haben wir es überlebt. 😉
Vielleicht sind wir also gar nicht zu alt für die heutige Arbeitswelt. Vielleicht ist die Arbeitswelt an manchen Stellen einfach noch nicht weit genug, um zu erkennen, welchen Wert Erfahrung UND Lernbereitschaft zusammen haben.
Denn nein: Mit 45, 50 oder 55 ist man beruflich nicht auf dem Abstellgleis. Man ist auch nicht automatisch unflexibel, technisch überfordert oder kurz vor der Rente. Im Gegenteil. Viele von uns haben noch verdammt viel vor.
Und deshalb würde mich tatsächlich interessieren – ganz ohne rosa Wölkchen: Liebe Arbeitgeber, was genau spricht für euch gegen Bewerberinnen und Bewerber Ü45 oder Ü50? Welche Vorbehalte gibt es? Ist es das Gehalt? Die vermeintlich fehlende Flexibilität? Die Angst, dass wir nicht mehr formbar genug sind? Oder spielt das Alter am Ende doch eine viel größere Rolle, als Unternehmen öffentlich zugeben möchten?
Ich bin wirklich gespannt auf die Antworten. Auch auf die unbequemen.



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