Arbeitswelt what's wrong with you - ich geb's dann mal auf, vorläufig
Eine kleine Warnung vorweg: Auch das hier wird kein „Rosa-Wölkchen-wir-haben-uns-alle-lieb“-Text. Ich bin frustriert und enttäuscht und einfach nur noch müde. Vor einigen Tagen habe ich endgültig beschlossen, mein Auftragstexterinnen-Leben (nicht das der „rasenden Journalistin“) vorläufig auf Eis zu legen. Ich bin es einfach leid, jede Woche fünf Bewerbungen und/oder zehn Angebote rauszuschicken, um dann entweder eine Absage zu bekommen oder gar nichts mehr zu hören. Wobei Letzteres weit häufiger vorkommt. Ich bin es leid, mir immer wieder Hoffnungen zu machen.
Mich auf Projekte zu bewerben, bei denen ich denke: Das passt. Das kann ich. Das habe ich schon hundertmal gemacht. Nur um dann doch wieder aussortiert zu werden – von einer KI, einem automatisierten Bewerbungsprozess oder von wem auch immer. Und ich bin mittlerweile auch zu müde, um mich voll in die Kundenakquise zu stürzen. Außerdem hab ich aktuell überhaupt keinen Bock, mindestens zwei Posts die Woche auf LinkedIn abzusetzen, damit ich auf dem Portal überhaupt stattfinde. Und nein, ich möchte keine KI nutzen, die mir automatisiert genau diese Posts ausspuckt. Ich mag noch selbst denken und schreiben. Nur fühle ich mich aktuell, so traurig das auch klingen mag, nicht in der Lage dazu.
Übrigens habe ich mir jetzt einen Job im realen Leben gesucht. In „Lifestyle“ – Teilzeit, im Einzelhandel – und ich freue mich sogar ein bisschen drauf.
Wo ist der Fachkräftemangel, wenn man (ich) ihn wirklich braucht?
Ich habe ja schon öfter auf diesem Blog über meinen Frust berichtet. Zuletzt ging es um das Thema „Es wird doch nicht das Alter sein?“. Ich frage mich mittlerweile wirklich, wo denn eigentlich der vielbeschworene Fachkräftemangel ist. Macht der Urlaub? Hat der sich eine Auszeit genommen? Mit wem werden eigentlich die unzähligen Stellen besetzt, die man (ich) aktuell auf den Stellenportalen so findet? Ich hab da neulich übrigens einen sehr interessanten Beitrag über sogenannte „Ghost-Jobs“ auf LinkedIn gelesen. Das ist aber, glaube ich, einen eigenen Blogbeitrag wert.
Liebe Unternehmen, ich bin da wirklich neugierig: Was hält euch davon ab, „ältere“ Menschen, Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende oder oder oder einzustellen?
Oder anders gefragt: Wie sieht sie denn aus, diese sagenumwobene Fachkraft, nach der angeblich alle so händeringend suchen? Mitte 30, lückenloser Lebenslauf, 20 Jahre Berufserfahrung, drei Studienabschlüsse, maximal flexibel und bitte ohne irgendwelche Verpflichtungen, die dem Unternehmen in die Quere kommen könnten? Vielleicht haben wir gar keinen Fachkräftemangel, sondern einen Mangel an Fachkräften, die in ein ziemlich enges Wunschbild passen.
Zurücktreten, um neu Anlauf zu nehmen
Ich habe für mich jetzt die Konsequenzen gezogen. Und seien wir mal ganz ehrlich: Von irgendwas muss ich ja auch alles bezahlen. Also stürze ich mich in das Abenteuer Einzelhandel, baue ein neues Business auf und arbeite weiter freiberuflich als Lokaljournalistin.
Mit dem „Auftragsschreiben“ mache ich zunächst Schluss. Nicht, weil ich meinen Job nicht liebe, sondern einfach, weil ich aktuell keine Zukunft für mich darin sehe. Schreiben werde ich natürlich immer – was ja allein mit diesem Blog schon ziemlich offensichtlich ist. Aber manchmal muss man (ich) einfach einen Schritt zurücktreten – und sei es nur, um neu Anlauf zu nehmen.



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