Arbeitswelt; what's wrong with you? F*** U KI
Eigentlich war heute ein ganz anderer Blog geplant. Eigentlich wollte ich heute endlich den Monatsrückblick April posten, passt ja so zeitlich ganz gut zu Ende Mai. Dann flatterte mir heute allerdings eine E-Mail in den Briefkasten und seitdem ist mein Frust groß.
Wie die meisten meiner treuen und vielleicht weniger treuen Leser (heute sagt man ja Community 😜) wahrscheinlich mitbekommen haben, wurde ich Anfang Februar von heute auf morgen von meinem wichtigsten Kunden vor die Tür gesetzt und durch KI ersetzt. Dass ich seitdem auf die, meiner Meinung nach, falsche Nutzung von KI nicht mehr allzu gut zu sprechen bin, erklärt sich vermutlich von selbst.
Ich bin ja derzeit mal mehr, mal weniger aktiv auf Auftrags- beziehungsweise Jobsuche und habe da mittlerweile schon einiges erlebt. Von Instagram-Anzeigen, die eigentlich nur dazu dienen, das Engagement mit dem eigenen Profil zu erhöhen und/oder irgendwelche Coaching-Programme zu verkaufen, über aktives Ghosting bis hin zu dem, was mir hier heute wieder passiert ist.
Heute, es ist übrigens Pfingstmontag, habe ich eine Absage auf eine Stelle bekommen, die mich wirklich gereizt hat. Jetzt denkt der ein oder andere vielleicht: „Jetzt stell dich nicht so an, Miriam, heul leiser.“ Der Plottwist kommt aber noch. Denn zum einen haben wir heute Feiertag — und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Absage von einem Personaler kam. Zum anderen kam die Absage über eine No-Reply-E-Mail-Adresse und sie wurde ziemlich offensichtlich von einer KI geschickt.
Seit wann macht sich ein Personaler — oder wer auch immer jetzt für so was zuständig ist — nicht mal mehr die Mühe, eine Bewerbung zumindest zu lesen? Also zu der Zeit, als ich noch HR gemacht habe, haben wir das durchaus getan. Schon aus Wertschätzung derjenigen oder demjenigen gegenüber, der sich hingesetzt und sich die Mühe gemacht hat, die Bewerbung zu schreiben. Zudem konnte es durchaus sein, dass ein Bewerber, der für die eine Stelle nicht geeignet war, durchaus für eine andere Stelle geeignet gewesen wäre. Sorry für die schlechte Grammatik, ich bin im Rage-Modus.
Heute entscheidet halt eine Maschine (und sorry, etwas anderes ist eine KI nicht) also darüber, ob ich für eine Stelle geeignet bin. Stimmt nur ein klitzekleiner Parameter nicht — und ob der richtig gepromptet wurde, lasse ich an dieser Stelle mal offen — bist du raus. Einfach so. Ohne, dass du dich vorher zumindest mal im Gespräch beweisen durftest. Wo ist denn bitte der vielbeschworene Fachkräftemangel? Kann man es sich denn heutzutage überhaupt noch leisten, Maschinen darüber entscheiden zu lassen, ob ein Mensch für eine Stelle geeignet ist oder nicht?
Ich würde mir wünschen, dass zumindest Menschen darüber entscheiden, ob ich eine Absage oder eine Chance bekomme. Alles andere ist in meinen Augen wenig wertschätzend und sagt SEHR VIEL über ein Unternehmen aus. Sicher, natürlich ist es einfacher und schneller, einen Bot über eine Bewerbung laufen zu lassen. Stichwort: die vielgepriesene Effizienz und die noch mehr gepriesene Kosteneinsparung. Aber ist es fair? Ist es wertschätzend? Ich glaube nicht.
Wie geht es jetzt bei mir weiter? Natürlich gebe ich nicht auf. Ich liebe meinen Beruf dafür einfach zu sehr. Aber manchmal ist der Frust halt einfach zu groß, dann muss ich mir das von der Seele schreiben.
P.S. Monatsrückblick kommt natürlich noch und die Glücksmomente auch wieder. Das hier soll ja kein Motz-Blog werden, aber was raus muss, muss raus.



Liebe Miriam, es tut mir leid, dass Du auf diese Art und Weise eine Absage erhalten hast. Und mir tut das Unternehmen leid, dass es nötig hat, im Recruiting für die Auswahl KI einzusetzen. Wie Du schon geschrieben hast, schaut "der Mensch" anders auf Bewerbungen und so manche gut gemachte Bewerbung führt doch noch zum Gespräch. Das habe ich schon mehrfach in meinem langjährigen Personalleiterjob erlebt. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du bald einen Job findest in einem Unternehmen, das zu Dir passt. Und dieses Unternehmen, das die KI-Absage am Pfingsmontag (allein das sagt schon alles!) verschickt, hat Dich nicht verdient!
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Heike
Liebe Miriam,
AntwortenLöschendass die Absage über eine No-Reply-Adresse am Pfingstmontag von einer KI kam – das ist tatsächlich ein Witz, über den niemand lachen kann außer vielleicht der Maschine selbst, und auch nur, wenn sie entsprechend gepromptet wurde. Ich habe Deinen Beitrag in einem Rutsch gelesen und hatte am Ende dieses sehr unangenehme Gefühl, das mich beschleicht, wenn jemand etwas ausspricht, das man eigentlich nicht hören will, weil es so wahr ist.
Was mich dabei am meisten umtreibt: Du sprichst von Wertschätzung – und genau da liegt der Kern. Eine Bewerbung zu schreiben ist eine Form, sich verletzlich zu machen. Sich vorzustellen, sich zu zeigen, in der Hoffnung, gesehen zu werden. Und dann antwortet eine Maschine, die nicht einmal so tut, als hätte sie hingeschaut. Das ist mehr als unhöflich. Das ist eine kleine kulturelle Erosion. Und passiert tausendfach täglich, ohne dass jemand das Lichtschwert zückt.
Ich bin auch nicht grundsätzlich gegen KI – sie kann Wunderbares tun, wenn sie an der richtigen Stelle eingesetzt wird. Aber Bewerbungen aussortieren und sortenrein wegfiltern, ohne dass je ein Mensch zumindest kurz drübergeschaut hat, ist ein Armutszeugnis – und zwar nicht der Bewerber, sondern derjenigen, die so eine Praxis einsetzen.
Übrigens habe ich neulich, allerdings aus der genau gegenüberliegenden Perspektive, eine kleine Bewerbungsgeschichte aufgeschrieben: Das kürzeste Bewerbungsgespräch (siehe mein Name). Da kommt zwar keine KI vor, aber dafür eine besondere Art von Realitätssinn auf beiden Seiten des Tisches.
Gib nicht auf. Die Welt braucht Texterinnen, die im Rage-Modus präzise formulieren können – das kriegt kein Bot hin.
Herzliche Grüße,
Ron
Manch unerfahrene/r Personaler/in sind schlimmer als jede KI... Da von Tuten und Blasen keine Ahnung, filtern die dann nur nach Schlagworten und sortieren die besten Kandidaten aus. Und man selbst wundert sich, warum sich niemand auf die ausgeschriebene Stelle bewirbt.
AntwortenLöschenDie sonntagliche Absage habe ich auch schon hinter mir und weiß dann immer gleich, dass ich in so einem Unternehmen nicht arbeiten will. Das vergessen viele gerne - man bewirbt sich auch als Firma beim potenziellen Arbeitnehmer. Kommen bestimmt auch wieder bessere Zeiten und alle, die nur noch mit KI arbeitsfähig sind (wie besagte Personaler) werden sich dann ebenso umschauen müssen, wie du im Moment. Nur bist du viel besser aufgestellt 👍️
Liebe Grüße
Queen All